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Süddeutsche Zeitung
Schleppende Schritte, klingendes Traggeschirr, eine knarzende Tür. Bei der CD, von der diese Geräusche stammen, geht es um einen musikalischen Krimi. Denn hier lauern hinter der Türe fremde Klänge Stimmen, die von Verkaufsständen kommen, und orientalische Töne, die von fern her ans Ohr dringen. Ein Basar. Der könnte auch heute Abend um 20.30 Uhr im Loft sein, wo die Münchener Band bazár dilo ihre CD präsentiert. »Wir lieben die ungeraden bulgarischen Rhythmen und mazedonischen Lieder«, kommentiert Geiger Josi Vorbuchner das Programm zwischen balkanesker »Odessa Bulgar« und jiddisch angehauchtem Freilach.
Vor zwei Jahren traf der klassisch ausgebildete Violinlehrer auf seine vier musikalischen Freunde. Einer davon ist der Akkordeonist Fritz Bader, als gebürtiger Garmisch-Patenkirchner immer schon in der Volksmusik zu Hause. Die Balalaika und die Tambura spielt Autodidakt Emmy Eiler, aus der Freejazz-Szene kommt Bassist und Tubist Stephan Lanius, und Rockgeschichte hat der Bulgarien-Reisende Bernhard Dingler hinter sich, einst ein Regensburger Domspatz. Klar könne man nicht völlig stilecht sein, wenn man sich musikalisch zwischen russischer Schwarzmeerküste und mediterraner Balkanszene bewege. Aber es gehe ja auch vor allem darum, »lebendige, fetzige Volksmusik« zu machen.
Ulrich Möller-Arnsberg
6. Dezember 2001
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Bayern 2 Radio/Kulturmagazin
bazár dilo heißt verrückter Basar, und ein bisschen verrückt wollen sie schon sein, die fünf Münchener Musiker, die Klezmermusik, Balkan- und Zigeunermusik wild durcheinander würfeln.
Sie selbst kommen ja schon aus völlig unterschiedlichen musikalischen Richtungen; ein Klassiker, ein Freejazzer, ein Rockmusiker, ein Volksmusikant und ein eingefleischter Münchener Balkanese haben sich da zu einer handvoll musikalischer Bazarverkäufer zusammen- gefunden, um Waren aus Okzident und Orient zu verkaufen. Denn, wo Orient und Okzident aufeinander treffen, so sagen die Musiker vom »bazár dilo«, da entsteht Balkan, und das ist kein geographischer Begriff, sondern ein Zustand, die Mentalität eines Landes, die sich im Herzen befindet.
Nicht respektlos geht »bazár dilo« mit der Tradition der verschiedenen Länder und ihrer Musik um, sondern freudvoll frech und mit vielen übermütigen Ideen.
In einem Basar, so schreiben sie, kann man die Welt in Tüten kaufen. Im »bazár dilo«, dem verrückten Basar, ist die Welt in eine CD-Hülle verpackt.
Ulrike Zöller
28. Juli 2001
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